"Einfach, niedrig und gerecht" müsse das deutsche Steuersystem werden, forderte der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Hermann Otto Solms, der als Hauptredner beim traditionellen Sonntagsbrunch der Nauheimer Liberalen zu Gast war. Vor rund 50 Besuchern referierte der Bundespolitiker über die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Die Finanzkrise habe sich zu einer weltweiten Rezession ausgeweitet. "Das beste Konjunkturprogramm wäre eine schnelle und allgemeine steuerliche Entlastung von Bürgern und Unternehmern", sagte Solms. "Erst wenn Bürger und Unternehmen davon überzeugt sind, dass sie mit dauerhaft steigendem Einkommen rechnen können, kehrt ihr Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung und damit ihre Bereitschaft zu Konsum und Investitionen zurück", so Solms. Die große Koalition aus CDU/CSU und SPD habe dagegen seit 2005 über zwanzig direkte und indirekte Steuererhöhungen beschlossen. Der Finanzexperte erinnerte besonders an die dreiprozentige Erhöhung der Mehrwertsteuer. Höhere Steuern brächten aber nicht automatisch höhere Einnahmen, so Solms. Das Gegenteil sei der Fall, da ab einer bestimmten Schwelle die wirtschaftliche Entwicklung abgebremst werde. "Das klare Ziel der FDP bei der Bundestagswahl ist es, eine bürgerliche Mehrheit mit den Unionsparteien zu erreichen", erklärte Solms zu Beginn seiner Rede.
FDP-Ortsvorsitzende Elke Weidlich bezeichnete die Große Koalition in ihrer Begrüßung als "schlecht für unser Land". Das gute Abschneiden der Liberalen bei der Europawahl sei ein guter Rückenwind für den beginnenden Bundestagswahlkampf. Der aus Nauheim stammende FDP-Bundestagskandidat im Kreis Groß-Gerau, Andreas Bummel, erinnerte daran, dass die FDP "die soziale Marktwirtschaft mit aus der Taufe" gehoben habe. "Die Finanzhaie müssen Sie woanders suchen", sagte Bummel mit Anspielung auf die SPD-Plakate im Europawahlkampf. Schließlich stelle die SPD seit elf Jahren den Finanzminister und sei damit selbst für die nun gescheiterte Bankenaufsicht mit verantwortlich gewesen.